SCHIERLING, 29.04.2006



Lieber Herr Pfarrer, liebe Christiane Banse, liebe Freunde!
 
Ich durfte 24 Jahre als Vorsitzender des Pfarrgemeinderates Schierling an vorderer Stelle stehen, was ich - wie meine Nachfolgerin Christiane Banse - immer als eine Ehre angesehen habe.  Mit 27 Jahren habe ich auch die längste Mitgliedschaft im Pfarrgemeinderat. Deshalb ergreife ich jetzt noch einmal das Wort.

Ich muss gestehen, dass mich in den letzten Wochen die derzeitige Situation manchmal wehmütig gemacht hat. Und ich möchte nicht verhehlen, dass ich mich auch geärgert habe - in erster Linie über den Mann, der derzeit Bischof von Regensburg ist und uns - euch, mir, uns allen - unterstellt, die Räte hätten in der Vergangenheit "vor sich hingewurstelt", wie das im Straubinger Tagblatt und im Neuen Tag Weiden zu lesen war.

Eine solche Einschätzung unserer Arbeit kann nur von jemanden kommen, der nicht erlebt und erlebt hat, wir uns alle - ihr und ich - hineingehängt haben. Und ich muss ihm unterstellen, dass er sich für die Arbeit der Laien nie interessiert hat. Ihn interessiert allein sein Machtanspruch. Den soll er ruhig haben, das ist mir mittlerweile klar.

Die Arbeit genossen

Ich hab's bei mancher Gelegenheit gesagt, dass ich die Jahre und Jahrzehnte im Pfarrgemeinderat oft genossen und zu jeder Zeit gerne gemacht habe. Das hängt mit verschiedenen Faktoren zusammen, die in erster Linie waren:

Gestattet mir bitte an dieser Stelle noch einen Blick auf die heutige Situation in unserer Diözese: Es redet keiner mehr, weil alle Angst haben. Es tun nur noch wenige etwas, weil sie wissen, dass sie nicht anerkannt werden. Da helfen auch die bis in die Kleinigkeiten hinein geplanten Public-Relation-Touren durch die Diözese und da helfen die schönsten Worte nichts. Sehr viele wissen, dass an denen nichts dran ist, weil sie die Menschen nicht erreichen. Sie klingen hohl und werden über die Köpfe hinweg verbreitet.

Vertrauen als Grundlage

Ja, liebe Freunde, wir haben mit unserem Herrn Pfarrer eine ausgezeichnete Zusammenarbeit pflegen dürfen. Er hat Engagement zugelassen und uns etwas zugetraut - weil er uns vertraut hat - und weil wir ihm voll und ganz vertraut haben. Er musste keine Misstrauen haben, denn er wusste um seine Autorität. Wir haben weder an seinem Amt noch an seiner Autorität jemals gekratzt - auch ich nicht! Er musste nie autoritär handeln, weil sein Leben und seine Sorge um Gott und die Welt die Verkörperung von Autorität darstellt.

Dass es ab und an auch bei uns in den Sitzungen Meinungsverschiedenheiten gegeben hat, das liegt an manchen Sachverhalten, an der Unterschiedlichkeit und an der Tagesform von uns - schwachen - Menschen. Aber wir haben's immer wieder geschafft - und sind nachher gemeinsam ins Wirtshaus gegangen. Etwas, das ich gerne auch unseren Nachfolgern empfehlen möchte.

Ich bin auch sehr dankbar für die vielen Jahre mit vielen von Euch. Wir sind Freunde geworden oder Freunde geblieben. Wir haben unser Bestes gegeben. Ob es immer genug war, das überlassen wir anderen. Aber es war kein Gewurstel! Ihr merkt, diese Beleidigung sitzt tief bei mir. Und ich kann euch sagen, die sitzt bei vielen anderen ebenso tief, auch bei solchen, die dem Oberhirten nach Außen hin treu ergeben und willfährig sind.

Herzlichen Dank!

Danke Euch allen während der 24 Jahre! Viele von denen sind heute nicht mehr dabei. Auch allen früheren Mitgliedern gilt noch einmal ein herzliches Vergelts Gott.

Danken möchte ich auch unseren katholischen Verbänden in der Pfarrei. Wir haben sehr gut kooperiert.

Viele Menschen haben uns und mir während der Jahrzehnte Wohlwollen entgegengebracht. Ich möchte an dieser Stelle ganz besonders die Schulschwestern herausheben. Schon als Ministrant habe ich dieses Haus kennen gelernt. Während der letzten 24 Jahre ist eine ganz andere Beziehung daraus geworden. Herzlich Vergelt's Gott!

Was bleibt?

Das war jetzt nur ein kurzer, ganz sicher nicht vollständiger, Abriss unserer Arbeit.

Unsere Motive


An die Neuen:

Liebe Freunde, bitte lasst euch nicht entmutigen von den Vorgängen in unserer Diözese. Wir können sicher sein, dass sich Vieles auch wieder positiv wenden wird.

Wir ausgeschiedene Mitglieder bitten euch auch, voll Vertrauen, Mut und Freude jetzt mit unserem Pfarrer und ab September auch mit dem neuen Pfarrer zusammenzuarbeiten.

Euch allen gelten unsere besten Wünsche und es steht unser Angebot zur Mithilfe - wenn ihr das wollt.

Wir werden mit großem Interesse an Eurer Arbeit Anteil nehmen und ihr braucht keine Sorge zu haben, dass wir alles kommentieren müssten was passiert oder möglicherweise auch nicht passiert.

Wir wünschen euch von Herzen alles Gute!