Pfarrgemeinderäte ohne Mitverantwortung

Gegenüberstellung der bisherigen und neuen Satzung und Wahlordnung
Die Pfarrgemeinderäte in der Diözese Regensburg haben aufgrund der von Bischof Dr. Gerhard Ludwig Müller am 15. November 2005 erlassenen Dekrete ihrer wesentlichen Bedeutung eingebüßt. Sie dürfen zwar noch beraten und
arbeiten - nichts dagegen mehr entscheiden!

Von der Diözesanleitung wird nach wie vor so getan, als habe sich eigentlich nichts geändert. Dies entspricht aber nicht den Tatsachen. Um den interessierten und engagierten Gläubigen die Möglichkeit zur eigenen qualifizierten Meinungsbildung zu geben, haben wir die seit 2001 geltende Satzung und Wahlordnung den neuen Bestimmungen des Jahres 2005 gegenüber gestellt.

Es darf bei dieser Gelegenheit noch einmal darauf hingewiesen werden, dass die bis November 2005 geltenden Bestimmungen für die Pfarrgemeinderäte erst in den Jahren 2000 und 2001 in intensiven und vertrauensvollen Beratungen zwischen der Diözesanleitung und dem Diözesanrat der Katholiken in der Diözese Regensburg entstanden sind. Bischof Manfred Müller hat die neuen Bestimmungen im November 2001 in Kraft gesetzt. Der vom Konzil insgesamt gewünschte Dialog war vorherrschend bei den Beratungen. Die Leitung des gesamten Prozesses hatte im Rahmen der "Pastoralen Planung 2000" der damalige Generalvikar Dr. Wilhelm Gegenfurtner. Die Satzung und Wahlordnung für die Pfarrgemeinderäte war bis ins Detail damals vom gleichen Kirchenrechtlicher aus der Diözese Regensburg geprüft und für gut befunden worden, der heute die Ansicht vertritt, die neuen Satzungen würden theologisch die richtige Lösung darstellen.

Er hat zusammen mit dem Leiter des Seelsorgeamtes dem Vorstand des Diözesanrates 21 Stunden vor der Information an die Presse die neuen Bestimmungen vorgestellt. Dabei war betont worden, dass die beiden Herren bei der Ausarbeitung nicht dabei gewesen seien und sie deshalb auch nicht über Details Bescheid wüssten. Einen Tag später wird der Kirchenrechtler allerdings mit dem Satz zitiert, dass er den Prozess für die neuen Satzungen intensiv begleitet hätte. Es handelt sich dabei um ein Beispiel für viele Ungereimtheiten in den Bestimmungen selbst und im Umgang mit der Information.
 

"Pastoralen Planung - Kirche im neuen Jahrtausend"

Noch heute (13.1.2006) ist auf der offiziellen Bistumshomepage
(http://www.bistum-regensburg.de/borPage000065.asp) folgende Erläuterung zur "Pastoralen Planung 2000" zu lesen.

"Das schon seit einigen Jahren vielleicht wichtigste Aufgabenfeld für das Generalvikariat ist die pastorale Planung. Die Pastorale Planung soll inhaltlich und organisatorisch auf die Bedürfnisse und Nöte, Chancen und Herausforderungen heutiger Seelsorge reagieren, neue Schwerpunkte und Ziele setzen, sowie Wege zu ihrer Verwirklichung suchen. Notwendig ist der Prozess der pastoralen Planung nicht nur aufgrund von Entwicklungen wie dem Rückgang der Kirchenbesucherzahlen, dem Priestermangel oder schwindendem Glaubensbewusstsein. Gesellschaftliche Rahmenbedingungen ändern sich mit den Lebensgewohnheiten der Menschen. Die Kirche muss sich neuen sozialen oder religiösen Herausforderungen stellen. Pastorale Planung ist notwendig auch wegen der Differenzierung der Seelsorge, der vom 2. Vatikanischen Konzil betonten eigenen Verantwortung der Laien und dem gewachsenen Bewusstsein, dass alle Gläubigen zusammen Volk Gottes sind. Seelsorge ist nicht nur Angelegenheit des Pfarrers oder seiner pastoralen Mitarbeiter. Seelsorge ist Angelegenheit der ganzen Gemeinde. Sie soll in Zusammenarbeit ("kooperative Seelsorge") möglichst vieler ausgeübt werden. Seelsorge darf nicht allein auf den Dienst der Hauptamtlichen bauen, sondern lebt wesentlich vom ehrenamtlichen Engagement."

Diözesanforum forderte Konzept

Die ersten Überlegungen zur Pastoralen Planung gehen in unserer Diözese, mitgetragen von Bischof Manfred Müller, auf die Initiative des Generalvikars zurück. Schon bald nach seinem Amtsantritt 1991 wurden alle Dekanate aufgefordert, die Zukunft der Seelsorge in der Diözese Regensburg zu erörtern. Hauptdiskussionspunkt waren damals verschiedene Modelle, wie mit immer weniger Personal trotzdem die Gemeindeseelsorge gewährleistet bleiben kann (sollen z.B. Pfarreien aufgelöst und zusammengelegt werden oder soll ein Team von Hauptamtlichen gemeinsam für mehrere Pfarreien zuständig sein etc.). Schon bald aber zeigte sich, dass es in der pastoralen Planung um mehr geht als nur um die geschickte Verteilung des Personals. Bischof Manfred beschloss, in der Diözese ein Forum abzuhalten, das alle anstehenden Probleme diskutieren, Lösungsvorschläge erarbeiten und dem weiteren Prozess neue Impulse geben sollte.

Das Diözesanforum 1994/95 hat viele Vorschläge gemacht, die umgesetzt werden konnten und hilfreich in der konkreten Seelsorge sind. Darunter war ein ganzes Bündel von Empfehlungen für die pastorale Planung. Dezidiert wurde auch erneut die Erarbeitung eines Pastoralplanes gefordert (Empfehlung 13.25 "Es ist ein Pastoralkonzept zu entwickeln
und fortzuschreiben.") Nicht wenige der noch nicht umgesetzten
Empfehlungen des Diözesanforums wurden deshalb vorerst aufgeschoben, weil sie direkt in die pastorale Planung mit einfließen sollen und dort wohl auch besser aufgehoben sind, als in einer isolierten Inkraftsetzung. Folgende Beispiele seien genannt: Neugliederung der Dekanate, Ernennung von Dekanatsbeauftragten für verschiedene Seelsorgefelder, Einsatz von Pastoral- und Gemeindereferenten auf Dekanatsebene, aktives Wahlrecht der Pastoral- und Gemeindereferenten bei der Wahl des Dekans, Aufwertung des Dekanamtes, Verwaltungsvereinfachung und -entlastung, überpfarrliche Zusammenarbeit sowohl in Verwaltungsangelegenheiten als auch in der Seelsorge, Schulung der Kooperationsfähigkeit bereits in der Ausbildungsphase, Förderung, Aufwertung, Anerkennung und Begleitung des Ehrenamtes.

Pastorale Planung 2000

Nach dem Ende des Forums wurde im Frühjahr 1996 im Bischöflichen Ordinariat eine Arbeitsgruppe gebildet, die sich an die Umsetzung dieser Vorschläge machte. Um eine möglichst breite Beteiligung aller Betroffenen zu erreichen, wurde eine Fragebogen erarbeitet. Er fragte sowohl nach den notwendigen Schwerpunkten künftiger Seelsorge als auch nach den Möglichkeiten überpfarrlicher Zusammenarbeit und der
Zusammenfassung verschiedener Seelsorgestellen zu größeren Einheiten. Zwischen 1996 und 1998 wurde dieser Fragebogen in 45 Dekanaten sowohl von den Dekanatskonferenzen (Versammlung der Hauptamtlichen) als auch den Dekanatsräten (Versammlung der Pfarrer und Laienvertreter) ausführlich diskutiert. Die Ergebnisse wurden wiederum von Priesterrat (Versammlung der Vertreter der Priester in der Diözese), Diözesanrat (Versammlung der Vertreter der Laien in der Diözese) und Vertretern der Verbände besprochen und dann Ende 1999 zu einem Text "Pastorale Planung 2000" zusammengestellt."

 

Leider ist von diesen einerseits theoretischen und andererseits in den letzten Jahren auch gelebten Gedanken fast nichts mehr übrig geblieben. Die "kooperative Pastoral" gehört der Vergangenheit an, denn alles ist auf den Bischof und die Priester zentriert. Das Ehrenamt ist abgewertet worden mit der Auflösung der Dekanatsräte und des Diözesanrates. Schon heute gibt es Hinweise aus einigen Dekanaten, dass die bisher von Ehrenamtlichen wahrgenommenen Arbeiten der Planung und Abwicklung von Hauptamtlichen übernommen werden (müssen). Die harte Arbeit und die Ergebnisse des Diözesanforums haben leider keinerlei Bedeutung mehr.
 

Die Beteiligung der Laien an der Wahl der Dekane ist mit der Auflösung der Dekanatsräte weggewischt worden. Außerdem haben die Priester nicht mehr die Möglichkeit, den Dekan aus ihren Reihen - mit einem großen Vertrauensvorschuss ausgestattet - dem Bischof zur Bestätigung vorzuschlagen. Jetzt müssen sie einen Dreiervorschlag einreichen, an den der Bischof bei der Bestellung des Dekans nicht gebunden ist. So wenig Vertrauen den Laien entgegen gebracht wird, so wenig Vertrauen genießen bei der Diözesanleitung offensichtlich auch die in den Pfarreien tätigen Priester.


Fritz Wallner,

13. Januar 2006