REGENSBURG/DEGGENDORF, 19.01.2006. Bischof verstößt mit "Rätereform" mehrfach gegen Kirchenrecht.

Prof. Dr. J. Grabmeier legt Beschwerde bei der dem Bischof vorgesetzten Kongregation für die Bischöfe in Rom ein und beantragt die Aufhebung seiner Dekrete vom 15.11.2005.

Den vom Kirchenrecht vorgesehenen Weg eines "hierarchischen Rekurses" gegen unrechtmäßige Dekrete hat Prof.  Dr. Johannes Grabmeier gegen die vom Bischof Prof. Dr. Gerhard Ludwig Müller verfügte Zerschlagung der Laiengremien in der Diözese eingeleitet.  Dazu hat er sich mit einer Beschwerde an die dem Bischof vorgesetzten römischen Behörde - die Kongregation für die Bischöfe - gewandt.

Kurzgefasst ist der Inhalt des Schreibens an deren Präfekten Giovanni Battista Kardinal Re folgender: Der Bischof verstößt mit seinen einsamen Entscheidungen zur Auflösung des Diözesanrats sowie der 33 Dekanatsräte und seinem Entzug aller bisher dem Pfarrgemeinderat als eigenständigem Katholikenrat zustehenden Rechte mehrfach gegen geltendes Kirchenrecht. Beispiele sind Canon 215, der die Vereinigungsfreiheit der Gläubigen garantiert (unabhängig vom Bischof) und Canon 26, der feststellt, dass die seit 30 Jahren in Regensburg geübte Praxis der Katholikenräte gemäß den Beschlüssen der Würzburger Synode inzwischen auf jeden Fall kirchenrechtliche Rechtskraft erlangt hat. Folgerichtig wird deshalb die Aufhebung der Dekrete verlangt.

Nach der von Papst Johannes Paul II. in  der apostolischen Konstitution "Pastor Bonus" in Art  79 verfügten Aufgabenverteilung im Vatikan ist dieses "Dikasterium", die Kongregation für die Bischöfe, für alle Fragen der "rechten Ausübung des pastoralen Dienstes" der Bischöfe zuständig -  hat also in Regensburg Handlungsbedarf.  Nicht zuständig ist hingegen - obgleich das schon mehrfach vom bischöflichen Ordinariat suggeriert wurde - die Kleruskongregation, die zwar für die die Kleriker beratenden Pastoralräte, nicht aber für Katholikenräte, in deren Rechte eingegriffen wurde, zuständig ist. Zunächst musste Grabmeier sich innerhalb von 10 Tagen nach dem 15.11. an den Erlasser der Dekrete selbst wenden. Die vom Kirchenrecht für den Bischof vorgesehene Frist von 30 Tagen für eine Antwort ließ dieser verstreichen. Innerhalb von weiteren 15 Tagen musste dann Beschwerde in Rom eingelegt werden. Der Eingang dort ist inzwischen bestätigt. 

"Obgleich landläufig immer gesagt wird, man hätte in Rom gegen eine Entscheidung eines Bischofs keine Chance, bin ich dennoch verhalten optimistisch", so Grabmeier. Er habe sich diese Entscheidung zu diesem u.U. langwierigen und nicht einfachen Weg nicht leicht gemacht, aber er müsse schon deswegen beschritten werden, weil sonst gesagt würde, es hat sich ja niemand offiziell kirchenrechtlich gegen die "Modernisierung" beschwert. Er nimmt damit eine gewisse Stellvertreterfunktion ein. Seinen Optimismus gründet Grabmeier auch auf die Entscheidung bei Pfarrer Trimpl. Dieser hatte ebenfalls Beschwerde in Rom eingereicht und - für viele überraschend - war vom Bischof die Suspension plötzlich aufgehoben worden, ohne dass von ihm neue Bedingungen zu erfüllen gewesen wären, auch wenn das anders vom Ordinariat dargestellt worden ist.  In kirchenrechtlichen Kreisen wird das als Hinweis dafür gedeutet, dass Pfarrer Trimpl von "Rom" Recht bekommen hätte.

Der Wortlaut der Schreiben Grabmeiers an den Bischof und an Kardinal Re.